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31. Oktober 2026

Ratgeber · Schilddrüse, Herz & Stoffwechsel

Sie nehmen zu, obwohl Sie nicht mehr essen? Was Ihre Schilddrüse damit zu tun haben kann

Gewichtszunahme, Müdigkeit und ein verlangsamter Stoffwechsel: Wann eine Schilddrüsenunterfunktion dahinterstecken kann – und welche Untersuchungen wirklich sinnvoll sind.

Von Dr. med. Kaneschka Jahanyar · Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie · Veröffentlicht am

„Ich esse nicht mehr als früher. Warum nehme ich trotzdem zu?“

Vielleicht kommt Ihnen diese Situation bekannt vor:

Sie haben Ihre Ernährungsgewohnheiten kaum verändert. Sie bewegen sich regelmäßig. Trotzdem zeigt Ihre Waage über Monate hinweg immer höhere Werte.

Gleichzeitig fühlen Sie sich häufiger müde, frieren schneller oder bemerken, dass Ihre körperliche Leistungsfähigkeit nachgelassen hat.

Viele Betroffene fragen sich irgendwann:

„Kann meine Schilddrüse dafür verantwortlich sein?“

Die Antwort lautet: Ja, eine Schilddrüsenunterfunktion kann zu einer Gewichtszunahme beitragen.

Allerdings ist der Zusammenhang komplexer, als häufig angenommen wird.

Nicht jede Gewichtszunahme ist hormonell bedingt. Und selbst bei einer nachgewiesenen Schilddrüsenunterfunktion erklärt die Erkrankung meist nur einen Teil der Gewichtsveränderung.

Gerade deshalb ist eine differenzierte medizinische Untersuchung wichtig.

1. Warum beeinflusst die Schilddrüse unser Körpergewicht?

Die Schilddrüse produziert vor allem die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3).

Diese Hormone beeinflussen zahlreiche Stoffwechselprozesse.

Dazu gehören unter anderem:

  • Der Energieverbrauch des Körpers
  • Die Regulation der Körpertemperatur
  • Die Herz-Kreislauf-Funktion
  • Die Darmtätigkeit
  • Der Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel
  • Die körperliche Leistungsfähigkeit

Ein wichtiger Begriff ist dabei der Grundumsatz.

Darunter versteht man die Energiemenge, die unser Körper in Ruhe benötigt, um lebenswichtige Funktionen aufrechtzuerhalten.

Wenn die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert, kann dieser Energieverbrauch sinken.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede betroffene Person erheblich an Gewicht zunimmt.

Denn unser Körpergewicht wird durch zahlreiche weitere Faktoren beeinflusst: Ernährung, körperliche Aktivität, Muskelmasse, Schlaf, Medikamente, Alter und Stoffwechselerkrankungen.

2. Wie viel Gewichtszunahme kann eine Schilddrüsenunterfunktion tatsächlich verursachen?

Hier gibt es eine wichtige medizinische Erkenntnis.

Nach Angaben der American Thyroid Association kann eine Schilddrüsenunterfunktion bei vielen Betroffenen ungefähr 2 bis 5 Kilogramm zusätzliche Körpermasse erklären, abhängig vom Schweregrad der Erkrankung.

Die individuellen Unterschiede können allerdings erheblich sein.

Bemerkenswert ist außerdem:

Ein relevanter Teil dieser Gewichtszunahme entsteht nicht durch zusätzliches Körperfett, sondern durch eine vermehrte Einlagerung von Salz und Wasser.

Eine ausgeprägte Gewichtszunahme von beispielsweise 15 oder 20 Kilogramm lässt sich deshalb meist nicht allein durch eine Schilddrüsenunterfunktion erklären.

Das ist für Patienten wichtig, weil eine realistische Diagnose auch realistische Behandlungserwartungen ermöglicht.

3. Welche Beschwerden sprechen zusätzlich für eine Schilddrüsenunterfunktion?

Eine Gewichtszunahme allein ist kein zuverlässiges Zeichen einer Schilddrüsenerkrankung.

Interessanter wird die medizinische Fragestellung, wenn mehrere typische Beschwerden gleichzeitig auftreten.

Anhaltende Müdigkeit

Sie fühlen sich auch nach ausreichendem Schlaf erschöpft und weniger leistungsfähig.

Ungewöhnliches Kälteempfinden

Sie frieren häufiger als andere Menschen oder benötigen deutlich wärmere Kleidung.

Verstopfung

Eine verlangsamte Darmtätigkeit kann zu den Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion gehören.

Trockene Haut und Haarveränderungen

Die Haut kann trockener werden, Haare können dünner erscheinen oder vermehrt ausfallen.

Konzentrationsprobleme

Manche Betroffene berichten über eine verminderte geistige Belastbarkeit oder das Gefühl, langsamer zu denken.

Veränderungen des Menstruationszyklus

Bei Frauen kann eine Schilddrüsenfunktionsstörung mit Zyklusveränderungen einhergehen.

Wichtig: Diese Beschwerden sind nicht spezifisch für die Schilddrüse. Auch Eisenmangel, Schlafstörungen, Medikamente und andere Erkrankungen können ähnliche Symptome hervorrufen.

4. Hashimoto-Thyreoiditis: Eine mögliche Ursache

Eine häufige Ursache der erworbenen Schilddrüsenunterfunktion ist die Hashimoto-Thyreoiditis.

Dabei handelt es sich um eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen Bestandteile des eigenen Schilddrüsengewebes richtet.

Im Laufe der Erkrankung kann die Hormonproduktion nachlassen.

Doch hier ist eine Unterscheidung entscheidend:

Hashimoto bedeutet nicht automatisch Schilddrüsenunterfunktion.

Viele Patienten haben zunächst normale Schilddrüsenhormonwerte.

Solange die Schilddrüse ausreichend Hormone produziert, sollte eine bestehende Gewichtszunahme nicht vorschnell der Autoimmunerkrankung zugeschrieben werden.

Die Diagnose Hashimoto und die Frage nach einer behandlungsbedürftigen Schilddrüsenunterfunktion müssen deshalb getrennt betrachtet werden.

5. Welche Blutwerte sollte man bei Gewichtszunahme untersuchen?

Bei begründetem Verdacht auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung beginnt die Diagnostik in der Regel mit der Bestimmung des TSH-Wertes.

TSH – der zentrale Ausgangswert

TSH wird von der Hirnanhangsdrüse produziert und reguliert die Hormonproduktion der Schilddrüse.

Bei einer primären Schilddrüsenunterfunktion steigt der TSH-Wert typischerweise an.

fT4 – das freie Thyroxin

Ist der TSH-Wert erhöht, hilft die Bestimmung von fT4 dabei, zwischen einer manifesten und einer latenten Schilddrüsenunterfunktion zu unterscheiden.

TPO-Antikörper – Hinweise auf Hashimoto

Bei Verdacht auf eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung kann die Bestimmung von TPO-Antikörpern sinnvoll sein.

Weitere Laborparameter werden entsprechend der klinischen Fragestellung ausgewählt.

Nicht jede Gewichtszunahme erfordert eine umfangreiche Hormonanalyse.

Entscheidend ist, welche Beschwerden, Vorerkrankungen und Untersuchungsbefunde vorliegen.

6. Warum kann eine Schilddrüsensonographie sinnvoll sein?

Als Arzt mit einem besonderen Interesse an der sonographischen Diagnostik halte ich die Kombination aus klinischer Untersuchung, Laborbefunden und – bei entsprechender Indikation – Ultraschall für besonders wertvoll.

Die Sonographie ermöglicht eine detaillierte Beurteilung der Schilddrüsenstruktur.

Dabei können unter anderem folgende Veränderungen erkannt werden:

Veränderungen der Schilddrüsengröße

Eine Vergrößerung oder Verkleinerung des Organs kann diagnostisch relevant sein.

Hinweise auf eine Autoimmunthyreoiditis

Ein echoarmes und inhomogenes Schilddrüsengewebe kann mit einer Hashimoto-Thyreoiditis vereinbar sein.

Schilddrüsenknoten

Vorhandene Knoten können hinsichtlich ihrer Größe und sonographischen Eigenschaften beurteilt werden.

Dabei ist jedoch eine wichtige Grenze zu beachten:

Ein Ultraschall zeigt die Struktur der Schilddrüse, nicht unmittelbar ihre Hormonfunktion.

Eine Schilddrüsenunterfunktion wird daher nicht durch Sonographie allein diagnostiziert.

Ebenso ist eine Gewichtszunahme ohne weitere Hinweise auf eine strukturelle Schilddrüsenerkrankung für sich genommen keine generelle Indikation zur Sonographie.

7. Warum nehmen manche Menschen trotz L-Thyroxin nicht ab?

Diese Frage beschäftigt viele Patienten.

Wenn eine manifeste Schilddrüsenunterfunktion vorliegt, ist Levothyroxin die etablierte Standardbehandlung.

Durch die Therapie wird der bestehende Hormonmangel ausgeglichen.

Doch die Vorstellung, dass mit normalisierten Schilddrüsenwerten automatisch sämtliche überschüssigen Kilogramm verschwinden, ist nicht zutreffend.

Der Gewichtsverlust nach Beginn einer Behandlung fällt häufig relativ gering aus.

Das hat mehrere Gründe:

  • Die Schilddrüsenunterfunktion erklärt möglicherweise nur einen Teil der Gewichtszunahme.
  • Ein Teil des Gewichts ist auf Flüssigkeitseinlagerungen zurückzuführen.
  • Andere Faktoren des Energiehaushalts bleiben unverändert.
  • Eine zusätzliche Adipositas oder Stoffwechselerkrankung kann unabhängig von der Schilddrüse bestehen.

L-Thyroxin ist ein Medikament zur Behandlung eines Schilddrüsenhormonmangels – kein Mittel zur Gewichtsreduktion bei normaler Schilddrüsenfunktion.

Eine überhöhte Dosierung kann unter anderem Herzrhythmusstörungen und Knochenschäden begünstigen.

Deshalb sollten Schilddrüsenhormone niemals eigenständig mit dem Ziel einer Gewichtsabnahme höher dosiert werden.

8. Was ist, wenn meine Schilddrüsenwerte normal sind?

Dann ist es besonders wichtig, die diagnostische Suche nicht ausschließlich auf die Schilddrüse zu konzentrieren.

Eine Gewichtszunahme kann unterschiedliche Ursachen haben.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Veränderungen der Energieaufnahme und körperlichen Aktivität
  • Schlafmangel und Schlafstörungen
  • Bestimmte Medikamente
  • Veränderungen der Körperzusammensetzung
  • Hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren
  • Insulinresistenz und andere Stoffwechselstörungen
  • Seltenere endokrinologische Erkrankungen

Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt von der individuellen Situation ab.

Eine sorgfältige ärztliche Anamnese ist deshalb häufig wichtiger als ein möglichst großes Laborprofil.

9. Schilddrüse und Gewichtszunahme: Fünf häufige Fragen

Kann Hashimoto zu einer Gewichtszunahme führen?

Ja, insbesondere dann, wenn im Verlauf eine Schilddrüsenunterfunktion entsteht. Bei normaler Schilddrüsenfunktion ist Hashimoto allein keine ausreichende Erklärung für eine Gewichtszunahme.

Kann man trotz normalem TSH eine Schilddrüsenerkrankung haben?

Ja, beispielsweise eine autoimmune Schilddrüsenerkrankung mit noch normaler Hormonfunktion. Eine relevante primäre Schilddrüsenunterfunktion ist bei normalem TSH jedoch in der Regel unwahrscheinlich. Seltene Ausnahmen, etwa Störungen der Hirnanhangsdrüse, erfordern eine gesonderte Beurteilung.

Nehme ich nach Beginn einer L-Thyroxin-Therapie automatisch ab?

Nein. Eine angemessene Behandlung kann die Folgen des Hormonmangels korrigieren, führt aber nicht zwangsläufig zu einer deutlichen Gewichtsabnahme.

Ist ein Schilddrüsenultraschall bei Gewichtszunahme immer notwendig?

Nein. Er ist insbesondere dann sinnvoll, wenn zusätzlich Hinweise auf strukturelle Veränderungen, Knoten oder andere entsprechende Befunde bestehen.

Können auch Männer durch eine Schilddrüsenunterfunktion zunehmen?

Ja. Schilddrüsenfunktionsstörungen können Frauen und Männer betreffen, auch wenn bestimmte Schilddrüsenerkrankungen bei Frauen häufiger vorkommen.

10. Mein ärztlicher Rat: Nicht jede Gewichtszunahme ist ein Ernährungsproblem – aber auch nicht jede ein Schilddrüsenproblem.

Wenn sich Ihr Gewicht über längere Zeit verändert, obwohl Sie keine offensichtliche Erklärung dafür finden, kann eine medizinische Abklärung sinnvoll sein.

Insbesondere dann, wenn gleichzeitig Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Konzentrationsprobleme oder andere Beschwerden auftreten.

Das Ziel sollte nicht sein, möglichst schnell eine bestimmte Diagnose zu finden.

Das Ziel sollte sein, die tatsächlichen Ursachen Ihrer Beschwerden zu verstehen.

Dazu gehören eine sorgfältige Anamnese, eine körperliche Untersuchung und eine gezielte Diagnostik.

Schilddrüsenabklärung in meiner Privatpraxis in Frankfurt

In meiner Privatpraxis biete ich Ihnen eine individuelle ärztliche Beratung bei Verdacht auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung sowie eine gezielte Labordiagnostik und Schilddrüsensonographie bei entsprechender medizinischer Indikation.

Wir besprechen Ihre Beschwerden, bewerten vorhandene Befunde und klären gemeinsam, welche weiteren Untersuchungen sinnvoll sind.

Sie haben seit längerer Zeit unerklärliche Gewichtsveränderungen oder vermuten eine Schilddrüsenerkrankung?

Vereinbaren Sie einen Termin zur persönlichen ärztlichen Abklärung.

Dr. med. Kaneschka Jahanyar Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie

Privatpraxis Frankfurt am Main Hochstraße 43 60313 Frankfurt am Main

Terminvereinbarung: https://www.privatpraxis-ffm.de/


Dieser Fachartikel dient der allgemeinen medizinischen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung. Diagnostische und therapeutische Maßnahmen richten sich nach der persönlichen medizinischen Situation. Privatärztliche Leistungen werden nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet.

Wissenschaftliche Grundlagen

Die wichtigsten Aussagen des Artikels sind durch folgende Quellen gestützt:

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